Good News

Eigentlich wollte ich heute darüber schreiben, wie schön dieses Jahr die Holunderbeeren gereift sind (nämlich fast in Weintraubengröße) und was ich diese Woche daraus fabriziert habe. Allerdings ist heute Nacht etwas passiert, das einfach berichtenswerter und noch viel erfreulicher ist. Ein dreifaches Hoch auf unsere Jugend!

Kurz vor Mitternacht haben plötzlich die Hunde im Nebenzimmer angeschlagen und wie verrückt aus den Fenstern gebellt, was mich natürlich geweckt hat. Draußen waren aufgeregte Stimmen zu hören, und ich dachte zuerst an späte Heimkehrer von einem Gasthausbesuch und wollte mich schon wieder umdrehen und weiterschlafen. Da läutete das Handy, das ich im Nebenzimmer für die Nacht geparkt hatte. Seltsam – vielleicht doch etwas Wichtiges!

Also schälte ich mich schlaftrunken aus dem Bett, sah im Vorbeigehen aus dem Fenster ein Auto mit Standlicht vor unserem Tor in der Einfahrt stehen und etliche kleine Lichtkegel, die in der Finsternis herumtanzten. Was sollte das? Den Anruf einer mir unbekannten Nummer hatte ich knapp verpasst, also rief ich zurück. Meine Nummer stand ja unten auf dem Firmenschild.

Am anderen Ende meldete sich die Stimme einer jungen Frau, die mich aufgeregt fragte, ob wir denn Katzen hätten. Noch schlaftrunken antwortete ich natürlich mit „Ja“, worauf sie mir erzählte, dass sie vor dem Tor rund zehn kleine Katzen gesehen hätten. Vorher wären sie direkt auf der Straße gesessen und um ein Haar überfahren worden. Nun war ich natürlich hellwach. Ich fragte nur: „Schwarze Katzen?“. „Ja.“.

Jetzt war alles klar. Das mussten die Geschwister aus dem verwahrlosten Wurf sein, aus dem auch unsere vor dem Ertrinken gerettete Olivia stammte. Ich hatte in den vergangenen Tagen schon die eine oder andere kleine Katze vor dem Grundstück gesehen. Sie waren allerdings so scheu, dass sie mich nie näher als zwei bis drei Meter heranließen bevor sie sich panisch in die Büsche schlugen. Nur das Futter, dass ich desöfteren in der Einfahrt deponierte, nahmen sie gerne an.

In ein paar Minuten war ich angezogen und auf dem Weg zum Tor, wo mich fünf Jugendliche in Empfang nahmen, die schon zwei der kleinen Mietzen eingefangen hatten und mir die Lage schilderten. Ein Blick genügte – ja, das war Verwandschaft von Olivia. Was konnte man machen? Am besten ins Tierheim mit den Kleinen, bevor sie wieder auf der Straße schliefen, wo es vermutlich etwas wärmer war als auf der Wiese, und dort unweigerlich früher oder später einem Auto zum Opfer fielen.

Und nun muss ich wirklich sagen: Hut ab und größten Respekt vor diesen jungen Leuten! Einer begann herumzutelefonieren – bei Tierkliniken und Tierheimen, die natürlich um diese Zeit nur notdürftig besetzt oder geschlossen waren, und schließlich bei der Polizei, über die letztendlich der rettende Kontakt zustande kam. Ganz unaufgeregt, lösungsorientiert und sachlich – Danke, junger Mann!

So konnte Kontakt zu einem Mitarbeiter des Tierheims Baden hergestellt werden, der offenbar in Wien wohnte und sich bereit erklärte, mitten in der Nacht herauszufahren und die Mietzekatzen in Empfang zu nehmen. Vielen Dank an ihn – das ist nicht selbstverständlich! Und dabei ging es zu diesem Zeitpunkt erst um zwei kleine Katzen.

In der nächsten halben Stunde gelang es, noch fünf weitere ausgehungerte Kandidaten einzufangen. Die junge Frau, die mich angerufen hatte, kassierte dabei einige wirklich ernste Kratzer und Bisse, kommentierte das aber lapidar mit „Wenn ich die Katze ausgelassen hätte, dann wäre ich umsonst gekratzt worden.“ Wir desinfizierten die Wunden, und ich hab heute Vormittag bereits nachgefragt – es ist zum Glück alles in Ordnung. Auch an sie ein riesengroßes Dankeschön. In dieser Brust schlägt ein wahres Tierschutzherz. 🙂

Jedenfalls sammelten wir die Katzen nach einer ersten Fütterung in Katzentransportkörben, und die jungen Leute fuhren damit mittem in der Nacht nach Baden ins Tierheim und übergaben sie in dessen Obhut. Ich konnte danach länger nicht einschlafen und dachte nur: „Einfach großartig, diese Jugendlichen!“.

Also, werte Mitstreiter meiner Generation 40+ … am besten, wir lassen das Genörgel über „die Jugendlichen, denen es nur um ihren Spaß geht, die keine Verantwortung mehr übernehmen wollen und denen Verbindlichkeiten fremd sind“. Einer Generation, die so großartige Menschen hervorbringt, kann man die Zukunft getrost anvertrauen. 🙂

Und ich werde in den kommenden Tagen versuchen, die extrem scheue Katzenmama vielleicht doch noch einzufangen und steriliseren zu lassen, damit sich dieses Drama nicht alle paar Monate wiederholt. Vorne bei den Nachbarn, wo sie eigentlich hingehört, kümmert sich niemand.


Was tut sich sonst:

Olivia entwickelt sich prächtig, frisst für zwei und holt alles auf, was sie vorher verpasst hat. Der Nabelbruch stellt kein wirkliches Problem dar, und ich denke wir können das einfach dann mitoperieren, wenn wir sie in ein paar Monaten kastrieren lassen.

Und Viktor flattert schon ordentlich durch die Gegend. Er wird in den nächsten Tagen erstmals abheben. Ich hoffe, dass ich dabei sein kann.